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Düsteres Potpüree: Schäuble, Europol und HIS

Bei Telepolis gibt es aktuell eine Reihe interessanter Artikel.

Da wäre zum einen ein Interview mit Wolfgang Wieland, dem innenpolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, der richtigerweise bemerkt:

Schäuble hat mehrere taktische Gesichtspunkte im Auge. Einmal geht er vor wie ein Staatsanwalt, der zehn Jahre fordert, um sieben zu bekommen. Vielleicht dient dazu auch der – eindeutig verfassungswidrige – Vorschlag, Berufsgeheimnisträger zu überwachen. Diesen Aspekt kann er dann “opfern”, wenn die SPD ihm bei der “Online-Durchsuchung” entgegen kommt. Er überzieht gegenüber dem Koalitionspartner, um solche Vorschläge später als Austausch- und Verhandlungsmasse zu nutzen. Andererseits will Schäuble tatsächlich eine ganz andere Sicherheitspolitik, die tatsächlich in Richtung eines permanenten Notstandregimes geht. Und drittens will er sich so rückversichern, damit er nach einem eventuellen Terroranschlag sagen kann: “Schuld bin nicht ich, der zuständiger Minister, sondern der Koalitionspartner und die anderen Parteien!” Dabei ist das Gesetz noch nicht einmal in den Bundestag eingebracht worden.

Ungeschicklichkeiten ist bei einem so erfahrenen Politiker auszuschließen. Schäuble ist der Abgeordnete mit der längsten Verweildauer im Bundestag, er war schon einmal Innenminister etc., wenn jemand mit allen politischen Wassern gewaschen ist, dann er, auch was die mediale Wirkung von solchen Äußerungen angeht.

Dann die Erklärung was die Umwandlung von Europol in eine EU-Agentur bedeutet.

Das “Einholen, Speichern, Verarbeiten, Analysieren und Austauschen von Informationen und Erkenntnissen, die von den Behörden der Mitgliedstaaten, von Drittländern oder anderen öffentlichen oder privaten Stellen übermittelt werden”, soll laut Vorgaben der EU-Kommission künftig zentrale Aufgabe von Europol sein.

Ausdrücklich werden jetzt operative Maßnahmen, auch im Zusammengehen mit anderen Behörden, in die Tätigkeitsbeschreibung aufgenommen: “Koordinierung, Organisation und Durchführung von Ermittlungen und von operativen Maßnahmen, die gemeinsam mit den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten oder im Rahmen gemeinsamer Ermittlungsgruppen durchgeführt werden, gegebenenfalls in Verbindung mit Eurojust oder mit Drittstellen.” Ebenso sollen die Informationen ungebremst und ungefiltert fließen. So ist als Aufgabe festgelegt, “Ermittlungen in den Mitgliedstaaten durch die Übermittlung aller sachdienlichen Informationen an die nationalen Stellen (zu) unterstützen”.

Ein weiterer Artikel setzt sich kurz mit “Hinweis- und Informationssystem” (HIS) (früher Uniwagnis) des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft auseinander:

“Die Daten sind also weder - wie vom GDV behauptet - anonym noch pseudonym. Sie sind für alle Beteiligten personenbeziehbar und damit personenbezogen. Nicht einmal Abfragen aus reiner Neugier oder Anfragen für Werbe- und Marketingmaßnahmen sind wirksam ausgeschlossen.”

Denn die Menschen müssen spüren, dass das gemeinsame Handeln der EU ihrer Sicherheit, ihren Freiheiten dient …

Rabenhorst hat die Bilanz der Mitwirkung des Bundesinnenministerium während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und die Ergebnisse der EU-Innen- und Sicherheitspolitik zusammengefasst.

Ausführlich gibt es das Ganze als Broschüre (pdf 3.5 mb).

Europol wird mächtiger und verliert den Rest demokratischer Legitimation

Künftig kann das Ministergremium per einfachem Ratsbeschluss mit qualifizierter Mehrheit das juristische Fundament Europols ändern. Bisher musste die Europol-Konvention von allen nationalen Parlamenten der Mitgliedsstaaten regelmäßig bestätigt werden. (…)

Generell ist geplant, dass das Polizeiamt neue Informationssysteme über das bisherige, von Datenschützern bereits immer wieder als Daten-Waschanlage kritisierte Europol-Computersystem hinaus aufbauen darf. Die Regulierung dieser weiteren Datensammlungen etwa wäre ein Fall, die der Rat nun mit Mehrheitsbeschluss festsetzen kann. Europol könnte so beispielsweise eine Datenbank mutmaßlich gewalttätiger Demonstranten schaffen oder eine mit verdächtigen Terroristen oder Päderasten. Nationale Strafverfolgungseinheiten wiederum können einen einfacheren Zugriff auf das bestehende Computersystem in Den Haag erhalten. Bürgerrechtler sehen mit den Brüsseler Plänen eine unkontrollierte Ausdehnung der Europol-Befugnisse einhergehen. Die Behörde kann mit ihrer Absegnung nun ihnen zufolge in eine Art Bundespolizei für die gesamte EU verwandelt werden.

via heise

Klingt höchst vertrauenserweckend!

Der Vertrag von Prüm wird EU-Recht

Die EU-Innenminister haben heute in Luxemburg zugestimmt, den Vertrag von Prüm in das EU-Recht zu überführen. Damit stimmten sie dafür, den Behörden einen automatisierten Zugriff auf Gendaten, Fingerabdrücke und Kfz-Register anderer EU-Mitgliedstaaten zu ermöglichen.

Die EU-Innenminister stimmten auch einer zentralen Erfassung der biometrischen Daten aller Visumsantragsteller aus Drittstaaten im europäischen Schengen-Raum zu. Das Visum-Informationssystem (VIS) soll im Jahr 2009 eingeführt werden. Neben Europol sollen auch andere staatliche Stellen Zugang zu diesem System erhalten. Bis zu 70 Millionen Menschen sollen laut Auskunft der EU-Kommission in VIS erfasst werden. VIS werde weltweit das größte System zur Erfassung aller zehn Fingerabdrücke sein, so die Kommission.

via virtuelles datenschutzbüro

Polizei greift nach den Sternen

Der Moloch Europol bekommt mehr Befugnisse, berichtet heise.

Mit dem 2. Änderungsprotokoll wird den Eurocops die Teilnahme an gemeinsamen Ermittlungsgruppen der Mitgliedstaaten ermöglicht. Sie können Informationen aus laufenden Europol-Analysedateien unmittelbar in diese neue Kooperationsform einbringen. Umgekehrt wird es Europol-Bediensteten erlaubt, direkt aus gemeinsamen Ermittlungsteams aktuelle Informationen zu erhalten und zu verarbeiten. Außerdem kann Europol einzelne Mitgliedstaaten um die Aufnahme von Ermittlungen ersuchen.

Gemäß dem 3. Änderungsprotokoll dürfen neben den bisherigen nationalen Zentralstellen künftig auch weitere “zuständige Behörden” der Mitgliedsstaaten direkt auf das umfangreiche Europol-Informationssystem zugreifen, das von Datenschützern seit langem als eine Art “Waschanlage” für Polizei-Informationen kritisiert wird.

Der britische Rechtsprofessor Steven Peers kritisiert die erweiterten Befügnisse in dem Papier The Revised Data Protection Framework Decision (pdf 136kb)

Weitere Datenschutzbestimmungen zum Transfer von Polizeidaten zwischen den Mitgliedsstaaten sind dem Forscher zufolge geschwächt und die Weitergabe der sensiblen personenbezogenen Informationen an Drittstaaten wie die USA ganz außen vor gelassen worden. Letztere solle nun unreguliert oder auf Basis bilateraler Abkommen erfolgen. Keine durchgreifenden Bestimmungen sind Peers zufolge auch beim Transfer der von dem Beschluss erfassten Informationen an Unternehmen und Behörden jenseits der Sicherheitskräfte vorgesehen. Das Resultat wäre ein “inakzeptabel niedriger Standard für den Schutz eines prinzipiellen Menschenrechts”



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