Das Unbehagen an der digitalen Macht
In der FAZ gibt es ein interessantes Gespräch zwischen Clay Shirky und Evgeny Morozov u der Frage: Ist das Internet ein Medium der Emanzipation und des Umsturzes - oder ein Werkzeug der Kontrolle und der Unterdrückung?
Schauen wir aber einmal hinter den symbolischen Nutzen, den Regierungen aus Propagandamaßnahmen ziehen. Ich glaube, die iranischen Behörden waren mit ihren Netzblockaden deshalb so erfolglos, weil sie einen enormen Gewinn darin sehen, regierungsfeindliche Iraner bei der Koordination ihrer Aktionen zu beobachten: bei der öffentlichen Koordination auf Facebook und Twitter, wohlgemerkt. So können sich die Behörden nämlich im Voraus über die Arten von Gruppen und Bedrohungen, die sich bilden, schlaumachen. Wir vergessen diesen geheimdienstlichen Wert gern. Und zum Zweiten glaube ich auch nicht, dass die Abstimmungsprozesse, von denen Habermas sprach, in Tagen, Stunden und Tweets gemessen wurden, sondern in Jahrzehnten, Jahrhunderten und Büchern.

