Hoffnung ist Mangel an Information
rabenhorst im Interview bei gulli:
Viel schlimmer als die mittelschweren oder der ultimative GAU sind aber die Reihen von kleinen und alltäglichen GAUs, die schleichend daherkommen - sei es die Aufhebung des Bankgeheimnisses durch das Gesetz zur Steuerehrlichkeit, die Videokameras die hier und da installiert werden, die ganzen Verschärfungen im Bereich der Sicherheitsgesetzgebung, die Nutzung der Mautdaten und der Kennzeichen für Fahndungssysteme, aber auch der unbekümmerte Gebrauch von Kredit- und Kundenkarten oder der sorgenlose Umgang mit den Komponenten für soziale Netzwerke der Web2.0 -Angebote durch Internetnutzer.(…)
In der Tat ist es schwierig, dem “Normalbürger” die Relevanz der kleinen, größeren oder gar des ultimativen GAUs zu vermitteln. Ein Grund liegt darin, dass heutzutage fast jede Überwachungsmethode mit komplexen technischen Prozessen und Infrastrukturen einhergeht, die man jedesmal auf ein Maß herunterbrechen müsste, damit sie wenigstens halbwegs verständlich und vermittelbar bleiben. Damit verbunden sind fast alle Techniken mit einem Grad an Unsichtbarkeit versehen, so dass sie dem Nichtfachmann nicht direkt erfahrbar, fassbar gegenübertreten können. (…) Die meisten Techniken und Maßnahmen kommen auch nicht geballt in Paketen auf den Bürger zu, sondern werden nach und nach umgesetzt, werden zunächst mit einer engen Zweckbindung versehen und sind auf engere Zielkreise gerichtet, bevor die Zweckbindung ausgeweitet und ein größerer Personenkreis von ihnen erfasst wird.
Das, zusammen mit der medialen Halbwertszeit von Neuigkeiten, also der schnellen Verdrängung eines Themas, macht es nahezu unmöglich, ein Gesamtbild zu gewinnen und zu erkennen, dass vielleicht die Gesamtwirkung größer ist als die Summe der einzelnen Komponenten.

